74. Reisetag – Wieder in Cali

18.04.2024

Gefahrene Strecke ca. 170 Kilometer

Popayán – Cali

Der Tag hatte es in sich – Bericht folgt

Straßenblockade auf der Panamericana mit der Forderung nach Lehrern

Hier folgt der versprochene Bericht zu unserem letzten Reisetag mit dem Motorrad von Popayán nach Cali.

Heute ist inzwischen unser 76. Reisetag. Wir sind auf der Finca einer befreundeten Familie, in den Bergen oberhalb von Cali auf 1.700 Metern Höhe. Hier ist die Luft sehr angenehm und die Internetverbindung dafür schwächer, kein WiFi und nur Mobilfunk. Aber immerhin…das sieht am Kanal Höhe Truppenübungsplatz bei uns ganz anders aus…

Unser letzter Reisetag hat noch mal das volle Potpourri an Erlebnissen geboten, Start morgens um 9 Uhr, Ankunft bei Dunkelheit gegen 19 Uhr auf der Finca.

Dazwischen Stadtverkehr in Popayán, eine sehr gut ausgebaute Straße, eine Straßenblockade, Unwetter, heftiger Regen, irrsinniger Verkehr in Cali und eine Fahrt im Dunkeln in die Berge.

Wie schon gesagt: das volle Programm!!!

Der Reihe nach.

Edgar, unser Gewährsmann aus Cali, hat uns schon seit Tagen zu besonderer Vorsicht geraten, besonders auf dem letzten Stück vor Cali. Beide Provinzen, Valley del Cauca und Nariño, gelten (nicht nur) im Moment als ziemlich unsicher.

Verkürzt gesagt gehört die Panamericana am Tag dem Staat, beim Gebiet abseits der Straße gilt das schon weniger und Nachts gleich gar nicht.

Wir wollten also unbedingt bei Tageslicht in Cali eintrudeln. Das hätte auch fast funktioniert, wenn nicht…

Straßenblockade in Mondomo

die Bevölkerung der Gemeinden ringsum für eine absolut nachvollziehbare und verständliche Forderung – Lehrer und Bildung – die Panamericana dicht gemacht hätte. Wie gesagt: sie fordern die Basics, Schulgebäude, Bildung und Lehrer!! Nun kann es sein, dass solche friedlichen Proteste von irgendwelchen Guerilleros instrumentalisiert werden, oder sich einfach Aggressionen aufschaukeln.

Recht auf Bildung

Nichts dergleichen. Es ging äußerst friedlich zu, trotz stundenlangen Wartens in der Hitze und eines kilometerlangen Staus. Wir waren uns einig, dass es in Deutschland schon längst viel aggressiver zugegangen wäre.

Wir haben uns mit einigen Demonstranten und dem Versammlungsleiter unterhalten, ja, das Recht auf Bildung wird staatlicherseits mit Füßen getreten.

Die Blockade umfahren wäre im Prinzip möglich gewesen, aber, siehe oben. Wir wurden gewarnt, dies keinesfalls zu tun. Tatsächlich haben wir heute, Samstag, erfahren, dass eine Frau bei dem Versuch der Umfahrung entführt wurde. Entführung als Geschäftsmodell.

Nach 5 Stunden ging es schließlich weiter. Wir hatten uns strategisch geschickt vorne und auf der richtigen Seite platzieren können.

Moppeds durften als Erste starten

Selbstverständlich klappt nichts reibungslos – beliebt ist natürlich, auch die Gegenspur zuzustellen, heftiges Dauerhupen und ganz allgemein Riesenaufregung. Herrlich!!!

Dank unserer überwältigenden Motorisierung und unter Einsatz der nur mühsam zu bändigenden 24,5 PS setzten wir uns mit einigen genialen taktischen Varianten (rechts auf der Fahrradspur, die eigentlich eine Zweiradspur ist, vorbeifahren) souverän an die Spitze und gewannen Land, allerdings nur um durch einen plötzlich einsetzenden tropischen Regenfall ausgebremst zu werden.

Also links ranfahren, Regenhemdchen und -höschen anziehen und weiter. Dann hörte es natürlich auf zu regnen. Kurz bevor wir anfingen Dank der zunehmenden Hitze von innen nass zu werden, setzte der Regen wieder ein und so weiter und so weiter….

Schlüssel für die Finca abholen, kurze Pause und weiter.

Cali ist eine soundsoviel Millionenstadt und natürlich gibt es hier auch so etwas wie einen Feierabendverkehr, der den sowieso üblichen Wahnsinn dann auf die Spitze treibt.

1 Stunde lang kämpften wir uns durch den Wahnsinn voran, es geht kreuz und quer, Radfahrer mischen auch noch mit, Moppeds mit atemberaubender Schlängeltechnik, einhändig, mit dem Handy am Ohr oder in den Helm geklemmt, Abgase!!! Dammtor-Bahnhof Hamburg, Hauptverkehrszeit, ist ein Luftkurort – kurz komplett irre!!!

Außerdem nahte die Dämmerung, wir mussten noch einkaufen und dann war auch noch FriWi verschütt gegangen. Kein Wunder, es ist fast unmöglich sich nicht zu verlieren.

Wir konnten Kontakt herstellen, den Zielort per Maps durchgeben und weiter.

Nein, wir kaufen lieber nicht mehr ein, es wird dunkel, kostet zu viel Zeit. Einige Snacks an der Tanke waren aber noch drin.

Erneut kurzer Kontaktversuch, da kam er auch schon angefahren.

Weiter rauf in die Berge, natürlich immer noch viel Verkehr, aber jetzt mit freundlicher Fernlichtbeleuchtung durch entgegenkommende Fahrzeuge. Zum Schluss noch eine letzte Schikane, im Dunkeln eine ziemlich schmale Betonspur steil aufwärts…

Wie gesagt, der Tag hat noch einmal alles geboten was möglich war!

Fotos hier.

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