Auf der Finca „La Soñada“

Carriqui de montaña
La Soñada – Der Traum

Die Finca befindet sich auf dem Weg von Cali zur Hafenstadt Buenaventura auf ca. 1.700 m Höhe, kurz nachdem man den Pass bei Kilometer 18 mit ca. 2.100 m Höhe überquert hat.

In der Höhe lässt es sich aushalten. Die Temperaturen liegen immer so um die 20 Grad und es weht ein angenehmes Lüftchen. Hin und wieder regnet es etwas, meist Nachts und nie sehr lang.

Wenn ich vormittags runter nach Cali fahre, dann liegt die Passhöhe gelegentlich im Wolkendunst.

Bis zum Pass ist meist wenig Verkehr, so dass ich die Kurven mit dem Motorrad genießen kann. Aber dann wird’s meist heftig (siehe vorigen Artikel).

Ab Kilometer 18 gibt’s dann einige hübsche Restaurants mit schöner Sicht Richtung Cali.

Holzschnitzer auf der Strecke zur Finca

In den Wolken

Die Finca liegt am Hang, weiter unten rauscht ein kleiner Bach, mit dessen Wasser ein Pool gefüllt werden kann. Herrliche Blütenpracht, viele bunte Vögel, auch Kolibris. Bananenstauden, Kaffeesträucher und sonstiges tropisches Gewächs.

Hier kann ich es gut aushalten. Die Nacht bricht sehr schnell herein – Äquatornähe – und ebenso schnell beginnt der Tag. Ziemlich übergangslos.

Luftverschmutzung durch Straßenverkehr in Cali

Gedanken zur Luftverschmutzung

Da ich aktuell in und um Cali viel mit dem Motorrad unterwegs bin, sammele ich sozusagen mit erster Nase tiefe Eindrücke in Bezug auf die Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr.

Es gibt mehrere Hauptverursacher für die schlechte Luft:

  1. Die Zweitakt-Mopeds, eine wahre Pest. Hinterherzufahren – und das läßt sich nicht vermeiden – ist eine absolute Qual. Nicht wie bei den Trabbis die hinterherwehende blaue Fahne, aber einfach ein schrecklicher Gestank.
  2. Die Collectivos – das sind die Sammeltaxis, Pickups mit Aufbau für den Personentransport. Die fahren regelmäßig bestimmte Strecken und wenn sie am Startpunkt voll mit Personen sind, dann geht´s los. Sammeln unterwegs an jeder beliebigen Stelle Reisende auf. Diese Fahrzeuge haben vermutlich ein biblisches Alter, jedenfalls – vor allem wenn es bergauf geht – ziehen diese Dinger eine gewaltige, schwarze Fahne hinter sich her.
  3. Getoppt werden die Collectivos dann nur noch durch die Busse, zumindest die kleineren, meist auch sehr alten Busse. Man erkennt sie schon von weitem an der sehr dunklen Rauchfahne.
  4. Die Krönung – das sind die LKW. Bergauf, sehr langsam, meist gut beladen, mit einer wahren Nebelwand hinter sich. Oft ist der Qualm so dicht, dass auch das Überholen bergauf gewagt sein kann!!! Ebenfall aus einem Museum stammend….

Mich überkommt hier immer der Gedanke, ob wir als Bundesrepublik nicht sofort einen größeren Effekt für die weltweite Luftverbesserung und dann auch noch unter Einsatz vermutlich geringerer Mittel erreichen könnten, wenn wir hier, statt bei uns mit extrem hohen Mitteleinsatz um die dritte Stelle hinterm Komma noch zu verbessern, sofort jedem Zweitaktfahrer in Cali ein Viertaktfahrzeug schenken, natürlich aus deutscher Produktion, mit entsprechender Ausbildung zum Zweiradmechanikermeister…. Der Gewinn für die Umwelt wäre sofort wahrnehmbar – vermutlich würden wir hier sofort einen höheren Effekt mit geringeren Mitteln erzielen.
Und dann die Dieselabgasreinigung!!! Aber da sind wir ja Meister….trotzdem, auch da ließe sich sicherlich sofort ein Gewinn für die Umwelt erzielen.
Das würde ich dann als „wertegeleitete Politik“ verkaufen.

Typischer LKW

In Cali unterwegs

Cali liegt im Südwesten Kolumbiens im Cauca-Tal, in dem vor allem Zuckerrohr angebaut wird.

Der Zugang zum Pazifik, zur Hafenstadt Buenaventura, wird durch die steile, zerklüftete Westkordillere begrenzt.

Cali hat ca. 2,5 Millionen Einwohner, allerdings ist die genaue Einwohnerzahl nicht wirklich bekannt. Es gibt in Kolumbien aus unterschiedlichsten Gründen eine sehr hohe Binnenmigration, Vertreibung, vor allem aus ländlichen Regionen in die Städte.

Die Siedlungen oder Stadtteile dieser Vertriebenen, hier „Invasiones“ genannt, sind überwiegend No-Go-Areas.

Der Straßenverkehr und vor allem die damit einhergehende Umweltverschmutzung ist heftig. Besonders krass sind Zweitakter, Busse und LKW. Letztere ziehen meist eine gigantische schwarze Rauchfahne hinter sich her. Wehe wenn man aufgrund des dichten Verkehrs nicht an ihnen vorbeikommt…

Ach ja – und all das bei brutaler Hitze!

Panorama von Cali im Cauca-Tal, umgeben von den Westkordillere-Bergen und wolkenverhangenem Himmel.

Motorradfahren hat etwas von GoCartfahren auf dem Jahrmarkt. Dichtgedrängt nebeneinander, vor die KFZ gewuselt, die Ampel zeigt noch nicht ganz grün und schon geht es los. Immer den Blick auf die Gullydeckel gerichtet, die können manchmal ziemliche Schlaglöcher sein, geht die Fahrt dann links oder rechts, auf jeden Fall mit rasanten Spurwechseln durch die Stadt.

Insgesamt klappt das sehr gut, mit permanenter Rundumsicht, viel Rücksichtnahme und nie darauf vertrauen, das der Vorherfahrende das Erwartbare tut; er könnte rechts blinken und links abbiegen….

Das Motorrad bietet hierbei Vorteile: man kommt schneller voran und bei einem Stau wuselt man sich so durch.

Ich habe kurz überlegt eine Atemschutzmaske zu tragen, aber angesichts der Hitze…

Blick von der Shopping Mall Chipichape
Blick auf das Hotel Spiwak in Cali, Kolumbien, umgeben von Geschäften und Restaurantterrassen.
Chipichape

Anreise

Start in Hamburg frühmorgens bei leichtem Schneetreiben, das auch gleich zu einer leichten Verspätung führte, da die Maschine noch enteist werden musste.

Gleich beim ersten Flug hatte ich einen bequemen Platz am Notausgang erwischt.

Aber es sollte noch besser kommen. Wir haben für unsere Flüge die Klasse Premium Economy gebucht, da es dort die Möglichkeit gibt, 2 Gepäckstücke á 23 kg mitzuführen. Helm, Motorradstiefel und Kombi füllen allein schon einen Koffer.

Die Lufthansa bietet jedoch Upgrades an, einmal zu einem festen Preis oder in einer Art Bieterverfahren. So kann man z.B. für die Business-Class in einer Spanne von 500 bis knapp 1.000 € bieten.

Als sparsamer Schwabe habe ich 505 € geboten, kam zum Zug und somit reiste ich von Frankfurt bis Cali via Bogota in der Business-Class.

Und ja, es hat sich gelohnt und war den Preis wert. Nicht nur, dass ich den Flug fast vollständig verschlafen habe – die Sitze können zu einer äußerst bequemen Liegefläche umgebaut werden – sondern bereits die Lounge in Frankfurt mit umfangreichem Speisenangebot und Sekt hatte es in sich.

Menu und Getränkeangebot

Und dann die Dusche; schnell noch einmal warm und kalt abschrecken, bevor es auf den Flug nach Bogota geht. Hervorragend.

Essen an Bord: ausgezeichnet!

In Bogota noch ein kurzer Aufenthalt, umsteigen und Ankunft in Cali gegen 6 Uhr deutscher Zeit, 24 Uhr in Cali.

In Kolumbien reisen Hunde selbstverständlich mit, auch im Flugzeug. Für dringende Hundegeschäfte gibt es auf dem Flughafen in Bogota eine Extra-Lounge.

Hunde-Lounge mit anregendem Feuerwehrpoller
…so macht man das!

Und an noch etwas wird gedacht

Lactation Suite

…wie alles begann

….Wir fahren Motorrad. Jeder von uns. Seit vielen Jahren, teils seit Jahrzehnten. Unsere Reisen führten uns bislang – allein oder in verschiedenen Zusammensetzungen…

Wir fahren Motorrad. Jeder von uns. Seit vielen Jahren, teils seit Jahrzehnten. Unsere Reisen führten uns bislang – allein oder in verschiedenen Zusammensetzungen – durch Europa, Skandinavien, Türkei, Georgien und Tunesien. Manchmal für einige Wochen, gelegentlich auch für mehrere Monate.

Aus unserer Gruppe geht der letzte demnächst in den Ruhestand – also endlich Zeit, viel Zeit für Reisen…auch mit dem Motorrad.

Aber wo sind die neuen Ziele, die auch gerne etwas anspruchsvoller sein dürfen?

Der Osten Europas und auch die Türkei fallen aus verschiedenen Gründen aus; der Nahe Osten ebenso, die nordafrikanischen Länder waren nicht unsere erste Wahl….

Das erste, zugleich unser Lieblingsziel, war der Iran. Allerdings…siehe oben.

Wir leben in Europa auf einer Insel der Glückseligen, der Blick auf die Länder ringsum ist nicht wirklich erhebend. Also, welches Ziel?

Einer von uns hat bereits etwas Südamerika-Erfahrung und verfügt über Kontakte nach Kolumbien.

Ziemlich schnell stand dann fest: Südamerika, die Andenstaaten – mit dem Motorrad! Genau richtig für uns!

Bis es dann wirklich losgeht standen einige Impfungen auf dem Programm, etwas Spanisch lernen, viel Lesen über die Andenstaaten, Beschäftigung mit der Sicherheitslage und natürlich:

Nachdenken über die Route.

Santa-Tal bei Huaraz

Dies wird vermutlich unser erstes Highlight werden – das Santa-Tal bei Huaraz in Peru. Vermutlich vorbei an den Lagunen von Llanganuco nach Chavin de Huantar.

…los geht´s!

Endlich, nach Monaten der Vorbereitungen, der Planung, der Impfungen und der Vorfreude…jetzt geht´s los!

So in etwa könnte unsere Route aussehen:

https://www.google.com/maps/d/u/0/edit?mid=1bJmU67zOsn5F2sRvRCrdo5Bd3UPc8h4&ll=-3.6309023401305405%2C-72.14423705529664&z=5

Unser Ziel ist die Atacama-Wüste im Norden Chiles.

Eine anspruchsvolle Strecke mit geschätzten 10.000 Kilometern; sie wird uns durch die Staaten Kolumbien, Ecuador, Peru und Chile führen.

Ein wenig Sorge bereitet uns im Moment die Fahrt durch das Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Ecuador und auch die Strecke durch Ecuador.

Dort – insbesondere im Grenzgebiet – ist die Sicherheitslage derzeit etwas angespannter als üblich, was bedeutet, dass wir uns grundsätzlich nur tagsüber und auf den Hauptstrecken bewegen werden.

Reisehinweise des Auswärtigen Amtes

Das Motorrad

Wir wollen eine Reise mit dem Motorrad in Südamerika unternehmen. Da stellen sich einige Fragen:

Transport aus Deutschland nach Südamerika oder vor Ort kaufen?

Wenn vor Ort kaufen – welcher Typ, welches Modell?

Nach einer Probefahrt zu Hause und diversen Planungsgesprächen haben wir uns schließlich für den Kauf einer Royal Enfield, Modell Himalayan entschieden.

Scheint uns robust, preiswert und im Fall der Fälle leicht zu reparieren zu sein.

Außerdem ist das Modell einigermaßen verbreitet vor Ort, so daß die Ersatzteilversorgung – falls nötig – gesichert sein sollte.

Die Motorräder sind gekauft!!

…noch ohne Koffer.
Himalayan

Die 32-Liter Koffer der Marke „Bison“ stammen aus Kolumbien.