Die beiden sind in der Luft und schon irgendwo über dem Atlantik unterwegs.
In Cali hat es heute Nacht stark geregnet – ich bin unten in der Stadt bei Familie Rivas geblieben, da im Dunkeln fahren nicht unbedingt ratsam ist…
Mit leichter Bekleidung und einem geliehenen Helm am Vormittag rauf in die Berge. Durchatmen – frische Luft hier oben.
Finca La SoñadaSchmetterling 🦋
Wie geht’s weiter?
Am 2. Mai werde ich nach Santiago de Chile fliegen, dort einige Tage verbringen, dann weiter auf die Osterinsel. Von dort wieder zurück nach Santiago.
Dann werde ich mich einige Tage an der chilenischen Küste bei Valparaiso und weiter nördlich rumtreiben.
Anschließend via Sao Paulo zurück nach Lüneburg, wo ich dann Ende Mai eintreffen werde.
Wer möchte kann mich hier gerne weiter verfolgen und mich auf meiner Reise begleiten.
In den kommenden Tagen wird es hier etwas „stiller“ werden, da ich oben in den Bergen nur Mobilfunk und kein WiFi habe, also etwas mit meinem Datenvolumen haushalten muss.
Nachdem wir am Vortag die Koffer bereits gepackt hatten, heute am Vormittag noch ein Finish, Koffer kennzeichnen, bereitstellen und auf Edgar warten.
Hundekotbeutel sind einfach praktisch!!!
Ein letztes Foto und runter in die Stadt. Der Plan ist möglichst frühzeitig am Flughafen zu sein – online-check-in ist bereits erledigt – um für mögliche Diskussionen am Schalter noch ausreichend Zeit zu haben.
Die Koffer haben reichlich Gewicht und wir wissen nicht, ob sie Übergewicht haben und wie wir das dann regeln können….
Außerdem soll noch ein zusätzliches Gepäckstück auf den Weg nach Hause gehen. Inhalt: meine Motorradklamotten, die will ich nicht unbedingt weiterhin durch die Gegend schleppen. Die Hundekotbeutelgekennzeichnete Tasche 😁
Sämtliche Befürchtungen lösten sich in Luft auf. Das Gewicht der Koffer passte und die zusätzliche Tasche ging, gegen Gebühr, auch noch mit.
Cali, Sicherheitskontrolle
Die beiden konnten sogar eine Stunde früher als geplant von Cali abfliegen.
Heute unternahmen wir bei bestem Wetter unsere letzte gemeinsame Motorradausfahrt rund um den Lago Calima, in den Bergen in der Nähe der Pazifikküste.
Zunächst geht es von der Finca auf einer Höhe von ca. 1.700 Meter runter bis auf 500 Meter. Auf diesen nur 35 Straßenkilometern erlebt man verschiedene Vegetationszonen.
Beim Start ist es noch relativ kühl, tropischer Regenwald, um Dagua wird Ananas angebaut – die sehr süß ist und ausgezeichnet schmeckt – dann geht es beim heißen und trockenen Lobo Guerrero nach einer gut ausgebauten Militärkontrolle noch ca. 55 Kilometer weiter bis zum Pazifikhafen Buenaventura (sehr heißes, nicht ungefährliches Pflaster, Drogenumschlagzone), und rechts wieder rauf in die Berge zum Lago Calima.
Übrigens: ab der Gegend um Buenaventura sollen schon Drogen-U-Boote in Richtung Norden gestartet sein.
Am Lago Calima befindet man sich dann wieder in einer in jeder Hinsicht ganz anderen Zone. Campingplätze, Ferienhaussiedlungen, Villenanlagen, Rinder auf Weiden, fast lieblich geschwungene Hügelketten.
Und für uns ganz wichtig: am letzten Tag noch mal so richtig viele schöne Kurven!
Wir waren eingeladen worden, konnten das Schulgelände besichtigen und hatten die Gelegenheit einer Schulklasse von unserer Reise zu berichten und ihre Fragen zu beantworten.
Der Schulleiter berichtete uns von der aktuellen Situation an der deutschen Schule und verwies insbesondere auf den Wettbewerb zwischen der amerikanischen, französischen und anderen privaten Schulen in Cali.
Besonders beeindruckt hat uns die Ausstattung und Gestaltung des Vorkindergartens und des Kindergartens. Großartig architektonisch und mit Liebe zum Detail gestaltete Anlage.
Beeindruckt hat uns das sehr gute Sprachniveau der Schüler, denen wir von unserer Fahrt erzählten und die uns zahlreiche Fragen stellten. Etliche der Schüler waren bereits zu einem Austausch in Deutschland, bzw. bereiten sich auf einen Austausch vor.
Die Familie Rivas hat uns nicht nur bei der Vorbereitung der Reise tatkräftig unterstützt.
Edgar und seine Söhne haben auf ihren Namen die Motorräder gekauft, zugelassen, versichert und den notwendigen Papierkram erledigt.
Sie haben uns auch ein anwaltlich beglaubigtes Schreiben besorgt, in dem uns bestätigt wird, dass wir mit den Motorrädern durch Südamerika reisen dürfen, obwohl wir nicht die Eigentümer sind. Besonders letzteres ist beim Grenzübertritt wichtig.
In der Shopping Mall Chipichape gibt es ein ausgezeichnetes brasilianisches Restaurant , das vor allem auf Fleisch spezialisiert ist.
Rodizio serviert die verschiedensten Fleischsorten in bester Qualität vom Spieß. Die Beilagen sind auch nicht ganz ohne.
Als ein kleines Dankeschön haben wir die ganze Familie zum Essen eingeladen.
Nach stundenlangem Gelage noch ein wenig Schlendern durch die Mall – unsere Shopping-Queen hat noch einmal zugeschlagen😊 – und dann Back Home zur Finca.
Heute hat es geklappt! Wir konnten einen Termin zum Frühstück mit Claudia vereinbaren.
Claudia ist eine deutsche Entwicklungshelferin, die seit 36 Jahren in Kolumbien lebt. Sie kam gestern aus Bogota zurück und hat deutsche Wurst und deutsches Brot mitgebracht!
Vor lauter Aufregung ob der lange unterdrückten Gelüste – und auch wegen der anregenden Gespräche – haben wir komplett vergessen, den überreich gedeckten Frühstückstisch zu fotografieren.
Deutsches Brot: gibt es ein Land das mehr Brotsorten kennt als Deutschland? Jedenfalls bei dem Brot, das wir hier bekommen können und das meist „labberig“ und süß ist, vermissen wir ein gutes Sauerteigbrot mit dunkler Kruste, oder ein Vollkornbrot.
Straßenblockade auf der Panamericana mit der Forderung nach Lehrern
Hier folgt der versprochene Bericht zu unserem letzten Reisetag mit dem Motorrad von Popayán nach Cali.
Heute ist inzwischen unser 76. Reisetag. Wir sind auf der Finca einer befreundeten Familie, in den Bergen oberhalb von Cali auf 1.700 Metern Höhe. Hier ist die Luft sehr angenehm und die Internetverbindung dafür schwächer, kein WiFi und nur Mobilfunk. Aber immerhin…das sieht am Kanal Höhe Truppenübungsplatz bei uns ganz anders aus…
Unser letzter Reisetag hat noch mal das volle Potpourri an Erlebnissen geboten, Start morgens um 9 Uhr, Ankunft bei Dunkelheit gegen 19 Uhr auf der Finca.
Dazwischen Stadtverkehr in Popayán, eine sehr gut ausgebaute Straße, eine Straßenblockade, Unwetter, heftiger Regen, irrsinniger Verkehr in Cali und eine Fahrt im Dunkeln in die Berge.
Wie schon gesagt: das volle Programm!!!
Der Reihe nach.
Edgar, unser Gewährsmann aus Cali, hat uns schon seit Tagen zu besonderer Vorsicht geraten, besonders auf dem letzten Stück vor Cali. Beide Provinzen, Valley del Cauca und Nariño, gelten (nicht nur) im Moment als ziemlich unsicher.
Verkürzt gesagt gehört die Panamericana am Tag dem Staat, beim Gebiet abseits der Straße gilt das schon weniger und Nachts gleich gar nicht.
Wir wollten also unbedingt bei Tageslicht in Cali eintrudeln. Das hätte auch fast funktioniert, wenn nicht…
die Bevölkerung der Gemeinden ringsum für eine absolut nachvollziehbare und verständliche Forderung – Lehrer und Bildung – die Panamericana dicht gemacht hätte. Wie gesagt: sie fordern die Basics, Schulgebäude, Bildung und Lehrer!! Nun kann es sein, dass solche friedlichen Proteste von irgendwelchen Guerilleros instrumentalisiert werden, oder sich einfach Aggressionen aufschaukeln.
Recht auf Bildung
Nichts dergleichen. Es ging äußerst friedlich zu, trotz stundenlangen Wartens in der Hitze und eines kilometerlangen Staus. Wir waren uns einig, dass es in Deutschland schon längst viel aggressiver zugegangen wäre.
Wir haben uns mit einigen Demonstranten und dem Versammlungsleiter unterhalten, ja, das Recht auf Bildung wird staatlicherseits mit Füßen getreten.
Die Blockade umfahren wäre im Prinzip möglich gewesen, aber, siehe oben. Wir wurden gewarnt, dies keinesfalls zu tun. Tatsächlich haben wir heute, Samstag, erfahren, dass eine Frau bei dem Versuch der Umfahrung entführt wurde. Entführung als Geschäftsmodell.
Nach 5 Stunden ging es schließlich weiter. Wir hatten uns strategisch geschickt vorne und auf der richtigen Seite platzieren können.
Moppeds durften als Erste starten
Selbstverständlich klappt nichts reibungslos – beliebt ist natürlich, auch die Gegenspur zuzustellen, heftiges Dauerhupen und ganz allgemein Riesenaufregung. Herrlich!!!
Dank unserer überwältigenden Motorisierung und unter Einsatz der nur mühsam zu bändigenden 24,5 PS setzten wir uns mit einigen genialen taktischen Varianten (rechts auf der Fahrradspur, die eigentlich eine Zweiradspur ist, vorbeifahren) souverän an die Spitze und gewannen Land, allerdings nur um durch einen plötzlich einsetzenden tropischen Regenfall ausgebremst zu werden.
Also links ranfahren, Regenhemdchen und -höschen anziehen und weiter. Dann hörte es natürlich auf zu regnen. Kurz bevor wir anfingen Dank der zunehmenden Hitze von innen nass zu werden, setzte der Regen wieder ein und so weiter und so weiter….
Schlüssel für die Finca abholen, kurze Pause und weiter.
Cali ist eine soundsoviel Millionenstadt und natürlich gibt es hier auch so etwas wie einen Feierabendverkehr, der den sowieso üblichen Wahnsinn dann auf die Spitze treibt.
1 Stunde lang kämpften wir uns durch den Wahnsinn voran, es geht kreuz und quer, Radfahrer mischen auch noch mit, Moppeds mit atemberaubender Schlängeltechnik, einhändig, mit dem Handy am Ohr oder in den Helm geklemmt, Abgase!!! Dammtor-Bahnhof Hamburg, Hauptverkehrszeit, ist ein Luftkurort – kurz komplett irre!!!
Außerdem nahte die Dämmerung, wir mussten noch einkaufen und dann war auch noch FriWi verschütt gegangen. Kein Wunder, es ist fast unmöglich sich nicht zu verlieren.
Wir konnten Kontakt herstellen, den Zielort per Maps durchgeben und weiter.
Nein, wir kaufen lieber nicht mehr ein, es wird dunkel, kostet zu viel Zeit. Einige Snacks an der Tanke waren aber noch drin.
Erneut kurzer Kontaktversuch, da kam er auch schon angefahren.
Weiter rauf in die Berge, natürlich immer noch viel Verkehr, aber jetzt mit freundlicher Fernlichtbeleuchtung durch entgegenkommende Fahrzeuge. Zum Schluss noch eine letzte Schikane, im Dunkeln eine ziemlich schmale Betonspur steil aufwärts…
Wie gesagt, der Tag hat noch einmal alles geboten was möglich war!
Da ich aktuell in und um Cali viel mit dem Motorrad unterwegs bin, sammele ich sozusagen mit erster Nase tiefe Eindrücke in Bezug auf die Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr.
Es gibt mehrere Hauptverursacher für die schlechte Luft:
Die Zweitakt-Mopeds, eine wahre Pest. Hinterherzufahren – und das läßt sich nicht vermeiden – ist eine absolute Qual. Nicht wie bei den Trabbis die hinterherwehende blaue Fahne, aber einfach ein schrecklicher Gestank.
Die Collectivos – das sind die Sammeltaxis, Pickups mit Aufbau für den Personentransport. Die fahren regelmäßig bestimmte Strecken und wenn sie am Startpunkt voll mit Personen sind, dann geht´s los. Sammeln unterwegs an jeder beliebigen Stelle Reisende auf. Diese Fahrzeuge haben vermutlich ein biblisches Alter, jedenfalls – vor allem wenn es bergauf geht – ziehen diese Dinger eine gewaltige, schwarze Fahne hinter sich her.
Getoppt werden die Collectivos dann nur noch durch die Busse, zumindest die kleineren, meist auch sehr alten Busse. Man erkennt sie schon von weitem an der sehr dunklen Rauchfahne.
Die Krönung – das sind die LKW. Bergauf, sehr langsam, meist gut beladen, mit einer wahren Nebelwand hinter sich. Oft ist der Qualm so dicht, dass auch das Überholen bergauf gewagt sein kann!!! Ebenfall aus einem Museum stammend….
Mich überkommt hier immer der Gedanke, ob wir als Bundesrepublik nicht sofort einen größeren Effekt für die weltweite Luftverbesserung und dann auch noch unter Einsatz vermutlich geringerer Mittel erreichen könnten, wenn wir hier, statt bei uns mit extrem hohen Mitteleinsatz um die dritte Stelle hinterm Komma noch zu verbessern, sofort jedem Zweitaktfahrer in Cali ein Viertaktfahrzeug schenken, natürlich aus deutscher Produktion, mit entsprechender Ausbildung zum Zweiradmechanikermeister…. Der Gewinn für die Umwelt wäre sofort wahrnehmbar – vermutlich würden wir hier sofort einen höheren Effekt mit geringeren Mitteln erzielen. Und dann die Dieselabgasreinigung!!! Aber da sind wir ja Meister….trotzdem, auch da ließe sich sicherlich sofort ein Gewinn für die Umwelt erzielen. Das würde ich dann als „wertegeleitete Politik“ verkaufen.