Nachdem die beiden nun gut wieder in Lüneburg eingetroffen sind, werde ich mich noch einige Tage in Cali aufhalten und dann nach Santiago de Chile fliegen.
Von dort aus werde ich zur Osterinsel fliegen, wieder zurück nach Santiago und anschließend in den Norden Chiles zur Atacama-Wüste fahren, wieder zurück nach Santiago und Ende Mai 2024 via Brasilien zurück nach Deutschland.
Zufall, ich hatte Glück. Am Sonntag wurde der 25. Jahrestag des UNESCO-Kulturerbes Valparaiso begangen. Überall in der Stadt gab es kostenlose Führungen zu einzelnen Stadtteilen und Sehenswürdigkeiten, viele Kunstgewerbestände, Musik, Feuerwehr, Marine und viel Trubel.
An einer historischen Führung zu den Ursprüngen der Stadt nahm ich teil und habe viele interessante Eindrücke gewonnen und gelernt.
Schaut euch die Fotos an, vielleicht können sie euch ein besseres Bild vermitteln, als ich es hier ausdrücken könnte.
Nur so viel: die Stadt hat viel, viel, sehr, sehr morbiden Charme. Etliche alte Drahtseilbahnen (leider funktioniert ein Teil nicht mehr), die die Hänge hinauffahren, wunderschöne alte Fassaden, Hundehaufen überall, Uringestank, großartige Graffitis überall, zugeschmierte versudelte Wände überall, brüchige alte Fassaden hinter denen sich Brache befindet, hübsche Cafés, schrille Bars, Penner-Kneipen, alles da. Und natürlich eine wunderbare Bucht, herrliche Ausblicke, Hafen, Schiffe auf Rede, wahnsinnig hupende Busfahrer… Kurz: spannend!
AscensorBlick auf die Bucht von Valparaiso
Fußweg zum Cerro Artillería de ValparaisoDas Haus der vier WindeLa Escalera de los Sueños (Mosaik und Treppe der Träume)Die Treppe der Träume
Nach 2 Nächten Ruhe in Antofagasta bin ich mit Zwischenstationen in Copiapó und La Serena in Valparaiso angekommen.
Unterkunft in Copiapó
So langweilig die Strecke immer entlang der Küstenwüste erscheinen mag, immerhin ca. 1.400 Kilometer, so gibt es doch hin und wieder einige interessante Dinge zu sehen.
Zum Beispiel taucht diese Hand irgendwo neben der Straße plötzlich auf. Ein Hilferuf? Es gibt Leben in der Wüste? Jedenfalls beeindruckend.
Seit Calama sind immer wieder gigantische Staubwolken, Abraumhalden, Eisenbahnstrecken, Pisten, die irgendwo ins Nichts führen, riesige LKW und zahlreiche weitere Hinweise auf Bergbau- bzw. Minenaktivitäten zu sehen.
Neben Kupfer und Eisenerz spielte früher Salpeterabbau (um 1900) hier eine bedeutende Rolle. Salpeter war ein wichtiger Grundstoff für Düngemittel und Sprengstoffe. Um diesen Grundstoff wurde der Salpeterkrieg zwischen Peru, Bolivien und Chile geführt. Seitdem hat Bolivien keinen Zugang zum Pazifik mehr.
Beim Salpeterabbau spielten damals deutsche Minengesellschaften eine bedeutende Rolle.
Panamericana Norte Reste einer BergbausiedlungEhemaliger Friedhof einer Bergbausiedlung Grab eines DeutschenDenkmal für die Mineros
Zwei kleinere Abstecher von der Strecke führten mich zu einem Observatorium und zu einem Stausee.
Das Observatorium konnte ich leider nicht besuchen, da muss man sich zu einer Führung tagelang vorher anmelden, aber der Weg dorthin war sehr interessant; ich fuhr an scheinbar endlosen Flächen von Solaranlagen vorbei.
Übrigens: Windräder, „Windparks“ („Industriepark“; Park und Industrie in einem Wort ist schon krass), Solaranlagen, alles in gigantischem Ausmaß, kann man entlang der Strecke sehr häufig sehen.
Am heutigen Tag hatte ich ursprünglich geplant nach Calama zu fahren, dort die Kupfermine von Chuquicamata zu besuchen und anschließend weiter nach Antofagasta.
Der Besuch der Mine ist kostenlos und wird täglich von der Minengesellschaft Codelco angeboten. Man muss sich zuvor via Email anmelden und erhält dann eine Terminbestätigung.
Diese Bestätigung hatte ich bislang nicht erhalten. Deshalb rief ich bei der Gesellschaft an, nur um nach einigem hin und her zu erfahren, dass seit Corona keine Führungen mehr stattfinden.
Schade. Einerseits.
Andererseits sehr schön! Ich konnte mir also bei meinem letzten Highlight, dem Besuch des Marstals oder Tal des Todes, viel Zeit lassen.
Und das war es wert!!!
Valle de la MuerteBlick vom Mirador am Valle de la Muerte
Schon die Fahrt ins Tal hinein, außergewöhnlich schön!
Neben großen Sanddünen, auf denen man surfen kann, gibt es die unglaublichsten Felsformationen und kleine gewundene Täler, die nirgendwo enden…
Natürlich hat es mich gereizt dort hineinzugehen. Nach wenigen Schritten umgibt dich eine absolute Stille, nichts, absolut nichts ist zu hören, es ist einfach still, wie auf dem Mars? Jedenfalls wie irgendwo ganz weit weg von jeder Zivilisation; ich fand es wunderschön und bin einfach nur weitergegangen…immer wieder sind kleine Gewächse zu sehen, wie ist das möglich? Leben, vereinzelt kleine Vögel, die bei meiner Annäherung aus den kleinen Sträuchern schnell irgendwohin fliegen, Leben in dieser lebensfeindlichen ? Welt.
Plötzlich überkommt mich der Gedanke, was ist wenn ich mir hier irgendwo den Knöchel stauche, den Fuß breche? Wird mich jemand hören? Die Flasche Wasser reicht nicht weit…
Also ganz vorsichtig, Schritt für Schritt weitergehen, nicht mehr über kleine Gräben springen und irgendwann zurück….
…da kann man sich hindurchschlängeln.
Zum Abschluss habe ich dann ei letztes Mal vom Mirador del Valle den Blick auf die Szenerie der Vulkane genossen, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, manche mit einer kleinen Schneekappe, zieht sich die Vulkankette am Horizont entlang.
Dahinter liegt Argentinien und links Bolivien. Wie mich das reizt da rüber zu fahren….am besten mit dem Motorrad….
Heute ging’s in den Salar de San Pedro. Das ist eine riesige Salzpfanne, die sich von Nord nach Süd entlang der Andenvulkane erstreckt.
Inmitten diese Salars gibt es etliche Lagunen, eine hat de Namen „Ojos del Mar“ , Augen des Meeres. Irgendwie ganz passend. Rosafarbene Flamingos wurde dort extra für die Touristen als malerische Fotomotive platziert…
Und ja, Schwimmen geht auch, aber eisig kaltes Wasser. Dafür mit Auftrieb, sehr salzhaltig, wie im Toten Meer.
Ich bin gerade nicht zu sehen, bin getaucht😁🙃2.344 Meter Höhe
Auf dem Weg von der Küste nach Calama in der Atacama-Wüste sieht man vor allem aufgewühlte Erde, Abraumhalden und gelegentlich gefühlt kilometerlange Züge mit Schüttgut.
AbraumhaldeAuf dem Weg nach Calama
Bei Calama waren riesige Staubwolken zu sehen, die vermutlich in der Gegend von Chuquicamata, der größten Kupfermine der Erde, aufgewühlt werden.
Ruta del DesiertoGrabstelle, Erinnerungsort. Übrigens sehr zahlreich
Je mehr man sich dem Salar von San Pedro nähert desto spektakulärer wird die Landschaft. Am Horizont zeigen sich die ersten Vulkankegel, schroffe Taleinschnitte, Geröllhänge und Sanddünen wechseln sich ab.
Atacama-Wüste Salar von San Pedro de Atacama
San Pedro selbst ist inzwischen ein hochtouristischer Ort mit allen Begleiterscheinungen, selbst Verkehrsstaus gibt es hier.
Ich habe schnell mein Zimmer bezogen und bin dann gleich weiter in Richtung Paso Jama.
Indigene Unterkunft
Der Weg nach Paso Jama bietet spektakuläre Aussichten und führt gleich am ersten Vulkan vorbei.
Richtung Paso Jama
Auf der Höhe von 4.160 Metern war dann leider Schluss, die Straße war vorübergehend gesperrt. Ein Stück weiter, auf der anderen Seite, gab es starken Schneefall und die Raumfahrzeuge konnten so schnell nicht organisiert werden.
Stopp auf dem Weg nach Paso Jama
Argentinische Motorradfahrer mit dicken BMW und Straßenbereifung hingen ebenfalls fest.
…to be continued…
Das nächste Highlight war dann das Mondtal, Valle de la Luna und der Mirador de Kari , um von dort aus den Sonnenuntergang zu bewundern.
Das Valle de la Luna beeindruckt durch bizarre Landschaft und ebensolche Felsformationen.
Tres Marias
Es gibt dort eine schmale, gewundene Schlucht, gerade mal so breit, dass eine Person hindurchgehen kann; die Schlucht war leider gesperrt.
Die Strecke nach Antofagasta führt über die Panamericana Norte, eine sehr gut ausgebaute Straße mit teils spektakulären Blicken auf den Pazifik und auch Strecken mit Marsanmutung.
Insgesamt kommt man schnell voran.
Ab Santiago bis kurz vor La Serena führt die Straße durch das fruchtbare, grüne Santiago-Tal mit großen Weinanbaugebieten, Frucht- und Gemüseanbau.
Dann ganz allmählich verändert sich die Landschaft und es geht langsam in die Küstenwüste über. Die Besiedlung wird immer weniger, kaum noch Verkehr und zwischendurch fährt man durch Marslandschaften. Zumindest stelle ich mir das so vor….
Nördlich von La Serena befinden sich wegen der klaren Atmosphäre und der fehlenden Lichtverschmutzung einige astronomische Beobachtungsstationen.
Observatorium
Bei dem kleinen Hafen Taltal habe ich einige schöne Strände gesehen…leider keine Zeit. Ich muß nach Norden weiter.
Antofagasta ist nicht wirklich einladend, ein typischer Industriehafen. Über diesen Hafen wird vor allem Kupfer und andere Bodenschätze ausgeführt, die in der Nähe bei Calama, abgebaut werden.
Eine ehemals sehr schön angelegte Promenade ist vollkommen verwahrlost, mit Müll, Glasflaschen, Uringeruch und verkommenen Gestalten verziert. Ich hatte den Fehler gemacht dort spazieren gehen zu wollen.
Der Flug von der Osterinsel nach Santiago de Chile verlief sehr angenehm mit gutem Essen an Bord.
Der Flughafen ist sehr überschaubar bis auf die Start-, bzw. Landepiste. Die ist außergewöhnlich lang, über 3.000 Meter. Sie diente als Notlandepiste für das Space-Shuttle Programm.
Essen an Bord!!!
Pünktlich in Santiago angekommen mußte ich zunächst mit einem Shuttle zur Mietwagen-Station etwas außerhalb des Flughafens.
Ich habe für die letzten Tage in Chile einen Kleinstwagen gemietet, die preisgünstigste Klasse, Hyundai i10.
Welche Überraschung: ich bekam ein Upgrade!
Ein VW Automatic TAOS.
Von dem Model habe ich noch nie etwas gehört, ziemlich groß und sehr bequem.
Taos
Nun gut, ich habe mich nicht gewehrt und sofort umdisponiert. Statt langsam von Santiago aus an der Küste nach Norden zu fahren, befinde ich mich jetzt bereits in Antofagasta, ziemlich weit im Norden, in der Nähe von San Pedro de Atacama. Der Zwang der Umstände eben….
Am Abend mit dem Wagen noch rein nach Santiago zum Hotel. Befand sich in keiner sehr guten Gegend, in der Nähe eines großen Busbahnhof s und einer Metrostation. Unangenehme Gestalten auf der Straße und sehr viel Wachpersonal am und im Hotel.
Am nächsten Morgen dann rauf auf die Panamericana und in Richtung Norden. Ziel: La Serena – von der Entfernung her zum „Eingewöhnen“, ca. 480 Kilometer.
An den gewaltsamen Umsturz 1973 erinnert ein Standbild Allendes.
Salvador AllendeErinnerungstafel für die beim Umsturz getöteten Menschen.
Anschließend besuchte ich das aus meiner Sicht bislang beste und auch museumsdidaktisch sehr gut gemachte Museum für Präkolumbianische Kunst (Museo Chileno de arte Precolombino).
Großartige Exponate!
Z.B. dieses hier aus San Andres in Kolumbien.
Dieses UNESCO-Weltkulturerbe konnten wir leider aus Sicherheitsgründen nicht besuchen.
Eine der nur in wenigen Exemplaren erhaltenen Quipus (Knotenschrift).Aus Vogelfedern erstelltes TuchZur Skorbut-Vorbeugung dieser ausgezeichnete Lachssalat im Museumscafé
Die Bahn führt direkt am Zoo vorbei langsam auf Schienen ziemlich spektakulär nach oben.
Teleférico
Der Berg ist eine riesengroße Parkanlage mit wunderbar angelegten Spazierwegen, einem Freibad und schönen Ausblicken auf die Stadt.
Mit einer weiteren Seilbahn gelangt man dann in die Nähe des höchsten Gebäudes in Südamerika, Sky Costanera.
Sky Costanera300 Meter hoch, 62 Stockwerke, das höchste Gebäude Südamerikas
Die Aussichtsplattform ist nach oben offen und bietet neben frischer Luft großartige Ausblicke auf die Stadt und die leicht schneebedeckte Kordilliere.
Grandiose Ausblicke
Beim Sky Costanera befindet sich die vielleicht (?) größte Shopping-Mall Südamerikas. Jede Marke mit Rang und Namen oder auch ohne ist dort vertreten. Und der Laden brummt….unvorstellbar. in Deutschland und umzu fällt mir nichts Vergleichbares ein.