Nachdem die beiden nun gut wieder in Lüneburg eingetroffen sind, werde ich mich noch einige Tage in Cali aufhalten und dann nach Santiago de Chile fliegen.
Von dort aus werde ich zur Osterinsel fliegen, wieder zurück nach Santiago und anschließend in den Norden Chiles zur Atacama-Wüste fahren, wieder zurück nach Santiago und Ende Mai 2024 via Brasilien zurück nach Deutschland.
Von der Insel, ihrer Geschichte und vor allem von den Steinfiguren, den Moais, gäbe es noch viel zu erzählen.
Als eine Besonderheit gilt beispielsweise, dass einige Figuren sogenannte „Hüte“ tragen. Diese Hüte bestehen aus rotem Vulkangestein, das auch nur an einer Stelle auf der Insel vorkommt.
Puna Pau„Hutfabrik“
Im Steinbruch Puna Pau wurden die roten Kopfbedeckungen aus dem Fels geschnitten und dann über viele Kilometer über die Insel transportiert.
Rote KopfbeckungEinige Moais tragen die roten KopfbedeckungenAhu Tongariki„Hut“ aus rotem Vulkangestein
Entlang der Küstenlinie, vor allem im Süden der Insel, kann man zahllose Ahus (das sind die Plattformen, auf denen die Moais aufgestellt wurden) finden. Einige sind noch ziemlich gut erhalten, in der Nähe liegen gelegentlich Trümmer von umgestürzten Moais herum.
Ich habe etliche dieser Ahus besucht, mir ist dabei aufgefallen, daß es immer Sichtverbindungen zum jeweils links oder rechts anschließenden Ahu gibt. Keine Ahnung ob das irgendeine Bedeutung hat…..
Außer den sichtbaren Steinfiguren gibt es auch Schrifttafeln, (Rongorongo-Schrift), von denen ich allerdings keine einzige im Museum Hanga Roa gesehen habe.
Thomas Barthel, deutscher Ethnologe, hat bei der Entschlüsselung Grundlagenarbeit geleistet.
Hier wie bei den Quipus der Inkas haben christliche Missionare „teuflische“ Arbeit geleistet, indem sie alle Zeugnisse derer sie habhaft werden konnten als Teufelswerk verbrannten.
Jetzt aber wirklich zu meinem letzten Tag auf der Osterinsel, der sich noch einmal mit einem wunderschönen Sonnenuntergang verabschiedete.
Blick von meiner Unterkunft Friedhof mit LED-Beleuchtung
Bei einem letzten Spaziergang in Hanga Road hatte ich wieder Glück und konnte Seeschildkröten (Tortugas Verdes) beobachten.
Die Osterinsel ist erdgeschichtlich gesehen eine recht „junge“ Insel und vulkanischen Ursprungs, wie man leicht erkennen kann wenn man einmal rund um die Insel fährt.
Wie aufgeblasene und anschließend geplatzte Kaugummis kann man zahlreiche Krater, mehr oder weniger groß, sehen.
Rano Raraku Krater
Einen dieser Krater mußte ich besteigen, mich hatte die Vorstellung einer grandiosen Aussicht gereizt. Dem war tatsächlich so.
Ansonsten besteht die Insel hauptsächlich aus Grasland; in neuerer Zeit sorgten vor allem Schaf- und Rinderbarone dafür, dass es so bleibt.
Es gibt zwar ein Aufforstungsprogramm, das allerdings ausschließlich Eukalyptus-Bäume anpflanzt. Ob das die angemessene Baumart ist bezweifle ich (siehe die regelmäßigen Waldbrände in Portugal und Australien; Eukalyptus „liebt“ Feuer).
Über die Auswirkungen von Eukalyptus auf das Ökosystem kann man hier nachlesen, Abschnitt „Ökologie“.
Auf der Insel gibt es keine Quelle, kein Fließgewässer, außer zwei Kraterseeen, die durch Regenwasser gespeist werden.
Umso erstaunlicher, dass es offensichtlich keine Zisternen oder Brunnen gab. Erst in neuerer Zeit wird Trinkwasser durch Tiefenbohrungen gewonnen.
Es gab einige Stellen in Küstennähe, an denen aussickerndes Grundwasser geschöpft werden konnte. Bei meinem ersten Besuch 1999 habe ich noch zwei oder drei dieser Wasserstellen gesehen. Heute konnte ich keinen Hinweis darauf mehr entdecken.
Die einzige natürliche Landestelle für Boote ist die Bucht von Anakena. Dies ist vermutlich auch die Stelle, an der die ersten Menschen an Land gingen. Der Rest des Ufers besteht aus bis zu 300 Meter hohen Klippen, an die eine massive Brandung schlägt. Starke Winde und hoher Seegang sind hier garantiert!
Regen! In den letzten Nächten hat es langandauernd und sehr heftig geregnet.
Auch tagsüber ziehen länger andauernde starke Regenfelder durch, die in Verbindung mit dem hier meist sehr starken Wind zwar eine stramme Brandung ergeben, allerdings das Spazierengehen und das Besichtigen nicht gerade zur Freude machen.
Auf derart starke Regenfälle bin ich nicht eingestellt; glücklicherweise hat mir mein Vermieter ein hübsches rosafarbenes (!), durchsichtiges, Regencape zur Verfügung gestellt. 😁😁
…es regnet
Zwischendurch gibt es immer mal wieder Lücken in den Regenwolken und gegen Nachmittag kommt gelegentlich die Sonne durch.
Abendstimmung
Heute, spätestens am Montag soll das Wetter wieder besser werden; bis dahin halte ich mich noch über Wasser….Tolino sei Dank!
Osterinsel – den Begriff verbinden wir meist mit „Insel, irgendwo ganz weit weg“ und vor allem mit „Moai – riesige Steinfigur, die am Ufer steht“.
Die Osterinsel liegt knapp 3.800 km vom Festland Südamerikas entfernt und gilt damit als der Ort auf der Erde, der am weitesten von einem anderen bewohnten Ort entfernt ist.
Von Deutschland aus beträgt die Entfernung in der Luftlinie ca. 14.400 Kilometer, also beinahe auf der anderen Seite der Erde.
Bis zur nächsten bewohnten Insel, Pitcairn (Meuterei auf der Bounty), sind es immerhin noch 1.800 Kilometer.
Im Südosten der Insel, ca. 20 Kilometer vom Hauptort Hanga Roa entfernt, befindet sich der Krater Rano Raraku, an dessen Hängen sich der Moai-Steinbruch befindet.
Rano Raraku
Hier wurden sämtliche Moais der Insel aus dem Stein gehauen und anschließend irgendwie (?) zu ihren Aufstellungsorten transportiert.
Anzahl der MoaisIm „Abbau“ befindliche SteinfigurMoaiAm Hang unterhalb des Steinbruchs befinden sich zahlreiche Moais
Den sich im Inneren des Kraters befindlichen See kann man derzeit leider nicht besichtigen.
Am Eingang zum Krater mußte ich eine Regenpause abwarten.
Auch dieser Bereich ist, wie alle anderen touristischen Highlights, streng abgesperrt und kann nur im Rahmen einer Gruppe besucht werden (gegen saftiges Geld).
Auch hier konnte ich mich wieder unauffällig einer Gruppe zuordnen.
Nicht nur Touristen machen den Steinfiguren zu schaffen, sondern offensichtlich auch Feuer.
Wahrnehmen konnte ich von diesen Zerstörungen nichts. Es gibt allerdings hin und wieder „Unstimmigkeiten“ zwischen dem indigenen Teil der Inselbevölkerung und den Rinderzüchtern.
Die Osterinsel wird von mehreren Kratern dominiert.
Der bedeutendste, beeindruckendeste und auch in der Kultur der indigenen Bewohner wichtigste, ist der an der äußersten Südwestspitze gelegene Orongo-Krater.
Orongo-Krater
Der Blick vom Kraterrand in den mehrere hundert Meter tiefen, wassergefüllten Grund ist wirklich atemberaubend….
Mystisch…Scharte in Richtung Pazifik, von hier aus geht es „nur“ noch rund 200 Meter steil abwärts zur Meeresoberfläche
Hier oben am Kraterrand befand sich das religiöse Zentrum der Inselbewohner. Hier und nur hier befanden sich die heiligsten Stätten. Hier fand gegen Ende der Osterinsel-Kultur der „Vogelmann-Kult“ statt.
Von der Kraterscharte aus sind es „nur“ ca. 1.400 Meter bis zu einer vorgelagerten Insel, auf der sich jährlich zu einer bestimmten Zeit Seevögel zum Nisten einfanden.
Die Aufgabe des Vogelmanns bestand nun darin, durch die stürmische See zu der kleinen Insel zu schwimmen, das erste Ei zu finden und es unversehrt durch die Fluten zurück zu bringen.
Übrigens: es gibt hier auch Haie!
Gut 1.400 Meter Distanz, einfache Strecke
Die Bilder zeigen leider nicht den starken Seegang!!
Unterkunft der PriesterUnterkunft der Priester
Hier auf diesem schmalen Grat zwischen Pazifik auf der einen und Kratersee auf der anderen Seite befanden sich zahlreiche Heiligtümer und Petroglyphen, von denen die meisten geraubt und im besten Fall in die Museen der Welt gebracht wurden.
PetroglyphPetroglyph – MakeMake, der Schöpfergott
Eine Stelle wird heute bezeichnenderweise als „British Museum“ bezeichnet. Hier befand sich der einzige Moai der gesamten Anlage (heute im Britischen Museum).
Übrigens: zur Geschichte von Rapa Nui und insbesondere zum Vogelmannkult kann ich den Film von Kevin Costner mit dem etwas reißerischen deutschen Titel „Rapa Nui – Rebellion im Paradies“ nur empfehlen. Durchhaltevermögen ist Voraussetzung, imho etwas langatmig.
Der Weg zum Orongo-Krater führt über eine halbwegs vernünftige Asphaltstraße aufwärts; unterwegs bieten sich großartige Ausblicke auf die gesamte Osterinsel.
Flughafen Hanga RoaBlick über die Insel Hanga Roa
Das Orongo-Heiligtum ist strengstens abgesperrt und kann nur mit einem Führer im Rahmen einer Gruppe besichtigt werden; wie im Prinzip alle anderen Sehenswürdigkeiten auch.
Hierzu schreibe ich in einem weiteren Artikel noch genaueres.
Aufgrund meines unverfänglichen Aussehens 😁😁 konnte ich mich bislang kostenlos in Gruppen „integrieren“.
Santiago de Chile Start in Santiago bei Regen. Kein gutes Omen?…über den Wolken
Der Flug verlief unspektakulär, wenn man davon absieht, dass ich sehr günstig ein Upgrade für die Business-Class bekommen und mich gemütlich hinlegen konnte. Der Flug war nicht sehr gut besetzt.
Die Osterinsel liegt ziemlich weit entfernt irgendwo mitten im Pazifik, knappe 6 Stunden mit dem Flieger.
LandeanflugRegen, das kenne ich schonRapa Nui
Am Flughafen – die Bezeichnung ist etwas übertrieben – wurde ich von meinem Gastgeber abgeholt und mit der obligatorischen Blumengirlande begrüßt.
Regen, aber angenehme Temperatur
Ankunft bei Regen erhöht nicht unbedingt die Stimmung, zumal die Fahrt durch reichlich wassergefüllte Schlaglöcher führte.
Freundlicherweise hielten wir bei einem Supermarkt an, so dass ich mir etwas Grundausstattung an Lebensmitteln zulegen konnte.
Die erste Regenlücke nutzend, ich bekam ein Regencape geschenkt, auf zur nahe gelegenen Küste, Moais gucken.
Blick von meiner Unterkunft Moai, ganz in der Nähe
Morgen werde ich mir in einem längeren Spaziergang einen ersten Eindruck von der Osterinsel verschaffen.
In Erfahrung bringen konnte ich schon: das wird teuer. Eintritt für 10 Tage 80 US-Dollar!